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Als Business Woman und Next Gen in Saudi Arabien unterwegs – ein Interview mit Sarah Weisser

Sarah Weisser ist Next Gen und Assistenz der Geschäftsführung beim familiengeführten Unternehmen „Haus der 1000 Uhren“ im Schwarzwald. In sechster Generation und aufbauend auf einer als 100-jährigen Tradition führt sie das Familienunternehmen weiter, das vor allem als Spezialist für Kuckucksuhren im Schwarzwald bekannt wurde. Vor einigen Wochen reiste Sarah nach Saudi Arabien und in die Golfstaaten, um das Familienunternehmen dort zu vertreten. Zu Zeiten der Fußball-Weltmeisterschaft waren wir neugierig und haben Sarah ein paar Fragen zu den Erfahrungen auf ihrer Reise gestellt – die Sarah nicht nur mit spannenden Worten, sondern auch mit ausdrucksstarken Bildern für uns beantwortet hat. 

Aus welchem beruflichen Grund bist Du nach Saudi Arabien gereist?

Gemeinsam mit meinem Vater bin ich für eine Marketing Roadshow mit zehn weiteren deutschen Unternehmen aus dem Bereich Tourismus & Travel nach Saudi Arabien gereist, mit dem Ziel Kontakte zu Reiseveranstaltern, Influencern und Medienvertretern zu pflegen und zu knüpfen, und darüber hinaus Deutschland als Reiseziel publik zu machen.

Unterwegs waren wir in der Golfregion in vier Staaten: Qatar (Doha), Kuwait (Kuwait City), Saudi Arabien (Riad und Jeddah) und U.A.E. (Dubai). In jeder der Locations wurde Deutschland als Reiseziel präsentiert und die Teilnehmer hatten im Anschluss die Möglichkeit, mit uns deutschen Unternehmen aus den Bereichen Einzelhandel & Outlets sowie Hotellerie & Stadtmarketing zu sprechen mit dem Ziel, dass wir uns gegenseitig kennen lernen und  zu eruieren, ob unsere Angebote für ihre Kunden interessant sein könnten.

© GNTO GCC

Wurde über das Thema der Nachfolge auf der Reise gesprochen?

Das Thema „Nachfolge“ wurde nicht proaktiv angesprochen – jedoch waren wir das einzige Unternehmen, welches familiengeführt auftrat, und bei welchem mein Vater und ich als zwei Generationen vor Ort waren, um unseren Betrieb zu promoten. Die Werte „Familie“ und „Tradition“ haben in den arabischen Ländern, und vor allem Saudi Arabien, einen sehr, sehr hohen Stellenwert. Daher kamen wir sehr gut ins Gespräch mit den neuen Kontakten über das Thema, dass wir bereits fünf Generationen hinter uns haben und ich die 6. Generation darstellen werde. Saudi Arabien und die Golfstaaten allgemein öffnen sich stark der restlichen Welt und die Mehrheit hat keine Miene verzogen, als wir erzählten, dass ich die erste Frau sein werde, die die Nachfolge unseres Familienunternehmens antritt. Manche haben andererseits auch etwas verwundert reagiert und offen nachgefragt, ob ich denn keinen Bruder hätte, der das machen kann. Allgemein haben wir jedoch wahrgenommen, dass die Frau in der Business Welt nicht untergeht, sondern dass es einige Frauen gibt, die uns gegenübersaßen und über Business Opportunities gesprochen haben. 

© GNTO GCC

Wie kam es, dass Ihr ausgerechnet Saudi Arabien und die Golfstaaten als Ziel für Eure Roadshow ausgewählt hattet?

Wir haben uns zu dieser Reise entschieden, da wir zum einen in den letzten Jahren vermehrt Besucher aus der Golfregion bei uns im Schwarzwald verzeichnen und begrüßen durften. Zum anderen kommt dazu, dass diese Regionen mehr und mehr reisen und den heißen Sommern im Golf „entfliehen“, oder in den Wintermonaten auch einfach mal Schnee und Weihnachtsmärkte erleben wollen in authentischer Weise. Wir sind die Reise auch deshalb angetreten, weil es ein großer Fehler wäre, diesen Markt ungeachtet zu lassen und wir die Menschen und Kultur in dieser Region vor Ort kennen lernen wollten – um wiederum unsere Angebote für den Kundenstamm anzupassen oder zu erweitern. 

© GNTO GCC

Wie fühlt es sich als Business Woman in Saudi Arabien an? Gibt es vielleicht (positive) Entwicklungen zu vorherigen Jahren?

Insgesamt konnte ich in der Business Relation wenige Nachteile als Frau erkennen. Seit einigen Jahren ist es in Saudi Arabien so, dass einreisende Frauen sich nicht mehr verhüllen müssen – ich konnte mich also angemessen, aber normal, kleiden und auftreten.

Wie vorhin schon kurz angesprochen, löst die Tatsache, dass ich als Frau in die Nachfolge eintrete, zum Teil unterschiedliche Reaktionen aus. Die Mehrheit findet es jedoch klasse und wir konnten uns absolut auf Augenhöhe über Geschäftliches unterhalten. 

Mein Vater hatte mir auf der Reise den Großteil der Redeanteile überlassen – ich bin also zum Großteil in die Rolle der Geschäftsführung und Repräsentation geschlüpft, in der man sich hier überhaupt nicht unwohl gefühlt hat. 

Ich hatte schon das Gefühl, dass vor allem die weiblichen Kontakte, die ich geknüpft habe, ein „Gschmäckle“ von „wir Frauen müssen uns zusammentun und unser Business zusammen entwickeln“ hatten – was supercool war.

Als Business Woman und Nachfolgerin zugleich fühlte es sich in dem Umfeld, dem ich begegnet bin, wie das Normalste der Welt an, und ich behaupte nicht anders als in manch westlichen Arbeitsumfeldern und männlich dominierten Umfeldern.

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Wie war Dein Gefühl ganz allgemein als Frau in Saudi Arabien und anderen Golfstaaten unterwegs zu sein? 

Vor allem Saudi Arabien öffnet sich stark – die Frau ist jedoch in ganz „banalen“ Sachen noch eingeschränkt. Zum Beispiel war es mir nicht gewährt, im Hotel an den Pool zu gehen – das durften nur die Männer. Hier schwingt einfach noch stark die arabische Kultur und Auslegung des Islams aus der Historie und Tradition mit. Geht es Frauen deshalb schlechter in Saudi Arabien? Das wage ich nicht zu beurteilen, da wir nur mit unserer westlichen Brille darauf schauen – für die Locals das Leben aber durchaus nicht schlechter ist als unseres. 

© GNTO GCC

Was waren Deine Key Learnings der Reise, die Du mit uns und anderen Next Gens teilen möchtest?

In das Buch hineinschauen: Das bekannte Sprichwort „Don’t judge a book by its cover“ trifft hier absolut zu. Wir alle lesen und hören viel über Länder wie Saudi Arabien und die Golfstaaten. Jetzt, in Zeiten der WM in Katar, wahrscheinlich noch mehr als sonst. Ein paar Tage vor Ort verbringen, ein Gefühl für die Mentalität bekommen und worauf im Business Wert gelegt wird, ist so viel wertvoller als von Deutschland aus zu urteilen und Geschäfte und Beziehungen in diese Länder zu meiden.

We’re in the People Business: Unser Credo in unserem Business ist und war schon immer, nicht die Nationalität oder Vorurteile zu sehen, sondern die Menschen zu sehen – sei es bei unseren Mitarbeitern (in unseren 30 Mitarbeitern sind über zehn Nationalitäten und Sprachen vorhanden und unterschiedlichste persönliche Hintergründe) oder auch bei unseren Kunden. Tourismus und Schwarzwalderlebnis kennt keine Grenzen. Wir sagen immer, unsere Kuckucksuhr spricht jede Sprache der Welt…“Kuckuck“ 😊 Gleichzeitig wollen wir andere Kulturen willkommen heißen und Menschen kennen lernen, die anders leben und ticken als wir. Daher – absolut wertvoll, diese konzentrierte Zeit in den Golfstaaten verbracht zu haben und einfach People Business betrieben zu haben.

© GNTO GCC

Back to the roots: Werte wie Familie, Tradition und authentisches Leben werden groß geschrieben in den arabischen Ländern. Das sind Werte, die wir als Familienunternehmen verkörpern und über die wir, aus meiner Sicht, eine wunderbare Grundlage haben für einen tollen Beziehungsaufbau zu Menschen in die Golfregion.

Shopping & Experience: „What do your clients enjoy doing when they come to Germany?” – “Shopping and experiencing authentic German traditions” . Wir wissen also, was wir zu tun haben 😉

© GNTO GCC

Vielen Dank, liebe Sarah, für Deine spannenden Erfahrungen, Eindrücke und Bilder von Deinem Besuch in Saudi Arabien!

Geschrieben von Sarah Weisser

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